In den letzten Monaten steigt meine Unlust stetig an. Grund ist ein Gefühl, das sich mir immer stärker aufdrängt:
Wer etwas leistet wird bestraft und wer nichts leistet wird belohnt
Wer nichts tut wird mit zunehmend steigenden Beträgen belohnt. Glaubt man Fernsehberichten, dann erhalten Arbeitslose teilweise mehr, als arbeitende Menschen. Und wer nicht arbeiten geht, der bekommt sogar Weihnachtsgeld. Welchen Arbeitnehmern steht heute noch ein garantiertes Weihnachtsgeld zu?
Wer mehr als das verdient, was die meisten Arbeitnehmer bekommen, dem nimmt der Staat 42% davon an Steuern ab. Sigmar Gabriel will an der Stelle sogar noch mehr zuschlagen. Er will die Einkommensteuer für die Reichen Richtung 50% erhöhen. Reiche sind derzeit Menschen, die mehr als rund 50.000 EUR (alleinstehend/100.000 EUR verheiratet) im Jahr beziehen. Man beachte: In seinen Augen sind das Reiche. Er selbst zahlt nur den halben Steuersatz. Diäten sind nämlich begünstigt. Vielleicht sollte man dort auch einmal zupacken.
Als Arbeitgeber fühle ich mich zunehmend einer Hetzkampagne ausgesetzt. Ich wäre ein Ausbeuter, hätte unendlich viel Geld und könne alles absetzen.
Tatsache ist: Ohne Arbeitgeber gibt es keine Arbeitnehmer; ohne Arbeitgeber und Arbeitnehmer gibt es keine Einzahlungen in die Sozialversicherung und natürlich auch keine Steuerzahlungen; ohne diese Gelder gibt es keine Mittel für Politiker oder Menschen ohne Beschäftigung.
Das beste Beispiel dafür, dass ein Staat ohne uns nicht funktioniert, ist die DDR. Dieser Staat war an seinem Ende in jeder Hinsicht bankrott.
Auch kann es nicht sein, dass die belohnt werden, die über ihre Verhältnisse gelebt und andere geprellt haben. Durch die Insolvenz können sie nach sieben Jahren als vollkommen unbescholtene Bürger schuldenfrei von vorne anfangen. Ihre Gläubiger bleiben ungeschützt. Sie müssen sich selbst darum kümmern, wie sie die erlittenen Verluste wieder ausgleichen.
Ich beklage mich hier über das System. Ich gebe denen Recht, die ihre rechtlichen Möglichkeiten nutzen. Es ist schließlich nichts unrechtes, Leistungen in Anspruch zu nehmen, die einem ein Gesetz zuspricht.

7 Kommentare
ich lese in Ihrem ArtiKel “Und wer nicht arbeiten geht, der bekommt sogar Weihnachtsgeld.”
würden Sie mir sagen wo dies der Fall ist?
danke
wolfHansen
Einmalzahlungen werden in die Bemessung für die Höhe von Arbeitslosengeld einbezogen (http://www.focus.de/finanzen/karriere/berufsleben/alg-rechner-so-hoch-ist-das-arbeitslosengeld_aid_465380.html). Damit bekommt ein Arbeitslosengeldempfänger sein Weihnachtsgeld laufend mit ausbezahlt.
Es gibt Städte/Gemeinden, die trotzdem ein gesondertes Weihnachtsgeld auszahlen (http://www.stern.de/wirtschaft/familie/burghausen-weihnachtsgeld-fuer-arbeitslose-604703.html).
Außerdem fordern Politiker, dass allgemein Weihnachtsgeld auszuzahlen ist (http://www.bild.de/BILD/politik/2009/12/21/weihnachtsgeld-fuer-hartz-iv-empfaenger/spd-politiker-heinz-buschkowsky-wirft-union-schlechtes-gewissen-vor.html).
Gruß
Dr. Rodion Hilbert
” Wer nichts tut wird mit zunehmend steigenden Beträgen belohnt.” - Steigende Beträge? Wo ist das denn der Fall? Wann wurde das ALG2 z.B. zuletzt an steigende Lebenshaltungskosten angepasst?
Grade die momentane Diskussion um das Elterngeld zeigt doch, das grade unten gespart wird, nicht oben. Gutverdiener mit Kindern werden weiter überaus großzügig gefördert, angefangen beim Kinderfreibetrag (der dem einzelnen Gutverdiener wesentlich mehr staatliche Förderung zukommen lässt als es mit dem Kindergeld für untere Einkommen der Fall wäre) bis zum hohen Maximalbetrag des Elterngeldes.
Ob man nun Menschen mit einem Jahreseinkommen von 50.000 Euro als “reich” bezeichnen sollte oder nicht, das hängt wohl sehr von der eigenen Perspektive ab. Ich bin sicher eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung würde dem zustimmen, ich übrigens ebenfalls, verdiene ich doch als promovierter Naturwissenschaftler deutlich weniger. Menschen, die sich auf hohem Wohlstandsniveau gut eingerichtet haben, so ist zumindest mein Eindruck, verlieren einfach sehr leicht die Perspektive, wie Lebensstandart und Einkommenssituation in der “Normalbevölkerung” tatsächlich aussehen. Für einen Kassierer beim Discounter ist die Diskussion, ob es skandalös ist (wie es bei Ihnen ja anklingt), ein Einkommen von “nur” 50.000 Euro als Reichtum zu bezeichnen sicherlich nicht nachzuvollziehen.
Übringens: ohne Arbeitnehmer gäbe es trivialerweise natürlich auch keine Arbeitgeber.
Klar gibt es ohne Arbeitnehmer keine Arbeitgeber. Die einen hängen von den anderen ab. Ich habe jedoch das Gefühl, dass Arbeitgeber in den letzten Monaten und Jahren zu den Buhmännern der Nation gemacht werden. Wir sind Ausbeuter, Steuerhinterzieher, Misswirtschafter, einfach an allem schuld.
Das ist aber schlichtweg falsch. Nur kann die Hetze dazu führen, dass immer mehr von uns die Lust verlieren und ins Ausland gehen, solange wir dort noch willkommen sind.
Noch einmal: Ich klage niemanden außer unser System an, von dem ich den Eindruck habe, dass es sich in die falsche Richtung bewegt.
Übrigens: Warum erhalten die so genannten Besserverdiener mehr Elterngeld? Was hatte den Gesetzgeber dazu gebracht, das so zu regeln?
Soweit ich weiß ging es darum, dass die Geburtenzahl bei den Besserverdienern stärker zurück ging als bei der sonstigen Bevölkerung. Man hat deshalb befürchtet, dass die komplette Gesellschaft in ihrer Zusammensetzung kippen würde, wenn es nicht wieder mehr Kinder bei den Besserverdienern geben würde.
Es könnte aber natürlich auch daran liegen, dass die Leute, die unsere Gesetze machen, zu den Besserverdienern gehören.
Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Irgendwie ist die Diskussion selbstzerstörerisch. Jeder prügelt verbal auf den anderen ein. Wenn alle gegen alle schießen, werden wir unser ausgeklügeltes System sicherlich kaputt bekommen. Die wirklich Reichen setzen sich dann ab. Mit der professionellen Unterstützung hoch spezialisierter Anwälte und Steuerberater gelingt das dann auch. Zurück bleiben dann diejenigen, die das System tragen müssen, sei es Unternehmer oder Arbeitnehmer. Und irgendwann wird das einfach nicht mehr gelingen.
Übrigens trägt eine erhöhte Einkommensteuer kaum zu Verbesserung des Staatshaushaltes bei. Gleiches gilt für die Erbschaftsteuer oder die abgeschaffte Vermögensteuer. Deren Erhebung ist fast teuerer als die Einnahmen, die daraus generiert werden. Der Staat finanziert sich im immer stärkeren Maße aus der Umsatzsteuer und den Verbrauchsteuern (Benzin, Alkohol, Tabak). Und gerade die Umsatzsteuer ist eine zutiefst unsoziale Steuer. Die zahlt ein Arbeitsloser genauso wie ein Reicher. Der erste zwar etwas weniger, weil er weniger konsumieren kann. Aber auch ein Reicher kann höchsten 10 Brötchen am Tag vertilgen. Mehr passt nicht hinein. Das Beispiel hinkt. Aber der Konsum steigt eben nicht im gleichen Maß wie Einkommen oder Vermögen.
Das wirkliche Problem unserer Gesellschaft ist die Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft. Würde jeder in diesem Land ordnungsgemäß seine Steuern bezahlen, könnten Steuern und Sozialversicherungsbeiträge drastisch gesenkt werden. Von diesem Kuchen könnte man den unteren Gehaltsklassen dann einen überproportinal großen Anteil abgeben; z.B. durch Senkung der Umsatzsteuersätze. Aber jeder steckt dem Handwerker, der die Waschmaschine repariert, mal eben einen Fünfziger oder Hunterter in die Hand. Und schon haben wir einen schönen Beitrag für unseren eigenen Untergang geleistet.
Ich finde an der Diskusion sehr interresant, dass alle Seiten aus Ihrer Sicht rangehen. Ich geb dem Captain soweit recht, dass die Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft viel zu den hohen Abgaben und Beiträgen beigetragen hat. Aber hier beisst sich die Katze in den Schwanz. Eine Seite (Staat oder “bnicht ganz ehrlichen Steuerbürgern”) muss den ersten Schritt tun. Heisst Beiträge runter oder darauf hoffen, dass alle mit einem mal ehrlich werden. Beides wird wohl nicht passieren.
Ansonsten muss ich auch gestehen, dass ich immer mehr sehe, dass Arbeit sich immer weniger lohnt. Meine Frau und ich arbeiten beide soviel wie möglich. Verdienen aber gerade mal soviel, dass ein Familienurlaub zu viert nur alle 2 Jahre möglich ist. Was als reich gilt oder nicht kommt natürlich stets auf den eigen Standpunkt drauf an. Wenn ich aber mal kurz rechne, dass eine alleinstehende Person bei einem Arbeitslohn von monatlich EUR 6.000,00 netto nur rd. EUR 3.300,00 übrig bleiben find ich die Abgabenlast schon recht hoch. Wer dann soviel arbeit damit er ein solches Gehalt bekommt oder vielleicht sogar ständig bereit stehen muss, der soll sich dann auch wa schönes leisten können. Es kann doch nicht sein, dass ein Langzeitarbeitsloser inkl. Miete, Einmalzahlung für Wohnungseinrichtung etc. und den monatlichen Auszahlungen auf rd EUR 1.000,- bis 1.200,- kommt und dafür nichts leisten muss. Da wäre es doch angebracht soziale Arbeiten verrichten zu lassen. Straßenreinigung, Einkauf für alte Leute um die Sozialkassen zu entlassten. Spielplätze reparieren. Allgemien Bürgerwehr etc. Es gibt so viele Tätigkeiten, die oft teuer bezahlt werden müssen, obwohl diese von jedem Arbeitslosen geleistet werden können. Dann sind Aussagen wie, ich steh doch nicht jeden Morgen für monatlich EUR 100 mehr auf. Dann kann ich auch zu Hause sitzen und so bekomme ich auch genug Geld.
Im kern sehe ich es so, dass das deutsche System sich immer weiter in den Ruin treibt. In der DDR waren die Leute übrigens bis zum Bankrott recht glücklich und die Kinder und Famielen gut versorgt.
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