Sparen Steuersünder in der Schweiz tatsächlich Steuern?

In der aufgewühlten öffentlichen Diskussion um den Kauf gestohlener Daten wird gar nicht gefragt, wie groß denn die Steuervorteile von Schweizer Bankkonten und -depots tatsächlich sind. Nach meiner Erfahrung werden die Vorteile, die in der Praxis tatsächlich entstehen, vollkommen überschätzt.

In meiner beruflichen Laufbahn habe ich gelegentlich Mandanten mit Auslandsdepots betreut, die auch schon vor Zumwinkel den Weg in die Steuerehrlichkeit gewählt haben. In der Folge mussten wir dann die Unterlagen von Schweizer Depots auswerten. Dabei fiel auf, dass die Depots durchgängig nicht steueroptimiert waren. Das ist auch nicht verwunderlich. Schweizer Vermögensverwalter und Banken stellen – genauso wie ihre deutschen Kollegen – Depots nach Performance-Gesichtpunkten zusammen. Das bedeutet, dass sie den Wert des Depots für ihre Kunden optimieren wollen. Die steuerliche Optimierung ist dabei oft zweitrangig.

Die von uns untersuchten Depots enthielten Schweizer, deutsche und andere ausländische Wertpapiere und Fondsanteile. Barreserven wurden auf Schweizer Bankkonten gehalten. Unsere Mandanten waren immer wieder erstaunt, wenn wir ihnen vorrechneten, dass ihre Einnahmen in der Schweiz einer ähnlichen Steuerbelastung unterlegen haben, die sie sonst in Deutschland hätten auch bezahlen müssen. Den meisten war überhaupt nicht bewusst, dass die Schweiz auf Dividenden und Zinsen eine Verrechnungssteuer von 35% erhebt. Der Steuersatz ist um rund 8,5%-Punkte höher als die deutsche Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag. Und natürlich lastet auch auf den Einnahmen aus Wertpapieren anderer Staaten eine Quellensteuer; oft 25%. Geldanleger, die die Gelder in ihrer deutschen Einkommensteuererklärung angeben, können einen Teil dieser Steuern auf ihre deutsche Einkommensteuer anrechnen. Und den anderen Teil können sie sich in der Schweiz oder in den meisten anderen Staaten erstatten lassen. Wenn die Einkünfte in Deutschland nicht angegeben werden, unterbleibt auch jegliche Anrechnung oder Erstattung. Geldanleger, die Einkünfte in Deutschland nicht angeben, begehen Steuerhinterziehung, selbst wenn sie im Ausland höhere Steuern bezahlen.

Nun bietet die Schweiz in einigen Bereichen tatsächlich steuerliche Vorteile gegenüber Deutschland:

  • Die Veräußerung von Wertpapieren ist steuerfrei. In Deutschland fällt hierauf die Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag an.
  • Eine Strafbesteuerung für intransparente – im Sprachgebrauch schwarze – Fonds kennt die Schweiz nicht. Bei der Fondsbesteuerung wird aber häufig übersehen, dass vielfach schon auf Fondsebene Steuern bezahlt werden, die die Fondserträge und -ausschüttungen an Fondsinhaber mindern.
  • Ein weiterer Vorteil tritt im Erbfall ein. Alle Schweizer Kantone erheben bei Vererbung im engeren Familienkreis entweder gar keine oder nur eine geringe Erbschaftsteuer.

Aber gerade der letztere Vorteil ist nur ein vordergründiger. Natürlich stellt die Nichtangabe in der Erbschaftsteuererklärung eine Steuerhinterziehung der Erben dar. Außerdem stellt sich die Frage, wie in Zeiten extensiver Geldwäschebestimmungen in allen industrialisierten Staaten das Geld nach Deutschland transferiert werden soll, wenn es hier gebraucht wird. Was macht denn ein Familienvater, der ein Schweizer Bankkonto erbt, das Geld aber in Deutschland für die Anschaffung des lange ersehnten Familienheims benötigt? Fährt er mit einem großen Koffer in die Schweiz? Und wie erklärt er dem Finanzamt die Herkunft des Geldes?

Und der Erblasser kann seinen Erben auch ein wahrlich schweres Erbe hinterlassen, wie der folgende Fall zeigt. Vor vielen Jahren kam ein Mandant zu mir und eröffnete mir, dass er und sein Bruder ein nicht angegebenes Schweizer Bankkonto geerbt haben. Sein Bruder wollte das Geld in der Schweiz lassen und die Steuerhinterziehung fortsetzen. Mein Mandant wollte ruhig schlafen und das Bankkonto per Selbstanzeige legalisieren. Es ist leicht einsichtig, dass der Familienfrieden zwischen den Brüdern ziemlich gestört wurde.

Eigentlich kann man Deutschen, die nicht angegebene Bankkonten oder Depots im Ausland besitzen, folgendes raten:

  • Sie sollten die reale Steuerbelastung auf ihre Auslandskonten und Depots analysieren und abschätzen, ob sie steuerlich tatsächlich so erhebliche Steuervorteile erzielen.
  • Außerdem sollten sie sich mal die Gebühren Schweizer oder Liechtensteiner Vermögensverwalter und Banken ansehen. Diese liegen häufig ganz erheblich über denen ihrer deutschen Kollegen.

Dem deutschen Finanzminister kann man eigentlich nur folgendes raten. Er sollte den Abgeltungssteuersatz einfach auf 20% absenken. Und dann sollte das Geld, das jetzt kriminelle Datendiebe erhalten, in eine Werbekampagne investieren, in der das Finanzministerium vorrechnet, dass die durchschnittliche Steuerbelastung auf Kapitaleinkünfte in Deutschland günstiger ist als diejenige im Ausland. Wenn er das mit einer anständigen Steueramnestie verbindet, wird er überrascht sein, wie viele Gelder aus dem Ausland zurückfließen. Ich glaube, dass viele Steuersünder wieder ruhig schlafen wollen. Und der Finanzminister wird mehr Geld in der Kasse haben als vorher. Er kassiert die Steuern, die ihm zustehen und nicht andere Staaten wie die Schweiz, die USA oder andere.

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5 Kommentare

  1. Apeman
    Geschrieben 12. Februar 2010 at 16:00 | Permalink

    Zitat: >>Geldanleger, die Einkünfte in Deutschland nicht angeben, begehen Steuerhinterziehung, selbst wenn sie im Ausland höhere Steuern bezahlen.<<
    Ich glaube, dass nur den wenigsten Deutschen klar ist, dass Geldanlage im Ausland eine Steuerstraftat ist, selbst wenn man Geld + ZInsen dort ordnungsgemäß der örtlichen Abgeltungssteuer unterwirft. Und ich hätte – ehrlich gesagt – dabei auch kein Unrechtsbewußtsein, schon gar nicht wenn die Abgeltungssteuer höher ist als in D. Insofern gebe ich dem Autor Recht, dass hier eine Art Werbekampagne Geld nach D zurückbringen würde.

  2. Peter Scheller
    Geschrieben 12. Februar 2010 at 17:33 | Permalink

    Um es ganz klar zu sagen:

    Die Geldanlage in der Schweiz stellt keine Straftat dar!

    Jedem steht es frei, sein Geld dort anzulegen, wo es ihm am günstigsten erscheint. Das Verschweigen der Einkünfte ist die Straftat.

    Die Idee mit der Öffentlichkeitsarbeit ist natürlich ein bisschen humoristisch. Aber wie in jeder humorvollen Äußerung steckt etwas Wahres. Da führt der deutsche Finanzminister eine Abgeltungsteuer mit 25% finalem Steuersatz ein (immerhin 20%-Punkte unter dem Reichensteuerhöchstsatz auf andere Einkünfte). Und das ist international durchaus nicht unüblich. Für einen niedrigeren Steuersatz gibt es auch eine recht einsichtige Begründung: Kapitalanlagen werden in den meisten Fällen aus Einkünfte gebildet, die schon einmal vorher der Steuer unterlegen haben.

    Aber in der Öffentlichkeit entsteht der Eindruck, die Abgeltungssteuer sei wieder so eine Gemeinheit der Steuerpolitiker; statt einfach zu sagen, dass bei Vermögenden die Steuerbelastung auf solche Einkünfte deutlich sinkt.

    Das ist aber im Neidstaat Deutschland politisch nicht opportun. Also ergreift der Staat staatspolitisch und moralisch außerordentlich bedenkliche Maßnahmen, anstatt eine offensive und positive Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Die deutschen Politiker sollten mal in das Ausland schauen. Da wird so etwas gemacht.

    Und noch etwas zu denjenigen, die jetzt sagen “Ätsch, das geschieht den Reichen doch ganz recht!” 95% dieser Leuten sind doch auch an Steuerstrafttaten beteiligt. Diese beantworten regelmäßig die Frage des Handwerkers, der die Waschmaschine wartet, “Benötigen Sie eine Rechnung.” regelmäßig mit nein oder nö oder einer abwinkenden Handbewegung (Haben sich alle wieder erkannt?). Und schon ist die Gefahr groß, dass sie Beihilfe zu einer Steuerstraftat begehen. Billigend eine Straftat in Kauf nehmen nennt man das.

    Wenn man entgangene Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und unberechtigte Harz IV-Leistungen aus Schwarzarbeit addiert, wird dieser Betrag sicherlich ein Vielfaches der in Ausland hinterzogenen Steuern auf Kapitalerträge ausmachen.

  3. Captain Kirk
    Geschrieben 16. Februar 2010 at 19:59 | Permalink

    Noch etwas zur Entlastung der Schweiz:

    Diese behält aufgrund eines Abkommens mit der EU momentan 20% Steuern auf Zinsen ein (ab 01.07.2011: 35%), wenn Geldanleger im EU-Ausland ansässig sind und ihre Schweizer Bank nicht ermächtigen, Steuerdaten an die Finanzverwaltung des eigenen Heimatlandes weiter zu geben. Die Steuern werden nach Abzug eines Verwaltungskostenanteils von der Schweiz an das jeweilige Heimatland (also auch Deutschland) weitergeleitet.

    Damit hat sich die Schweiz derselben Verpflichtung unterworfen, wie die EU-Staaten Österreich, Belgien und Luxemburg. Diese müssen auch nicht mehr tun. Man muss sich schon fragen, wieso die Schweiz so im Fokus der deutschen Finanzverwaltung und Politiker steht, die EU-Partner Belgien, Österreich und Luxemburg aber von der Politikerschelte so unbehelligt bleiben. Wahrscheinlich liegt das daran, dass sich die Schweiz so beharrlich weigert, Teil der EU zu werden (würde ich bei einem solchen Verhalten, wei es deutsche Politiker momentan an den Tag legen, auch nicht tun). Wenn ich mir die politische Großmäuligkeit unserer Kanzlerin und aktueller und ehemaliger Finanzminister vor Augen führe, drängt sich der Verdacht auf, dass man nur einen Sündenbock benötigt. Und da kommt die Schweiz gerade recht. EU-Partner dagegen muss man eben mit Samthandschuhen anfassen.

  4. Armenius
    Geschrieben 18. Februar 2010 at 18:03 | Permalink

    ACHTUNG: Beamte, die schwarze Depots und Konten im Ausland unterhalten, laufen ein doppeltes Risiko. Selbst wenn sie strafbefreiend die Einnahmen nachmelden, hindert das ihren Dienstherren nicht, ein Disziplinarverfahren zu eröffnen. Ich bin ganz sicher, dass auf den angeblich vorhandenen CDs eine ganze Menge treuer Staatsdiener zu finden sind.

    Also Lehrer, aufgepasst: Lasst Euch nicht erwischen, sonst werdet ihr noch suspendiert.

  5. Geschrieben 11. Dezember 2010 at 13:01 | Permalink

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  1. By Studie soll Kosten der Riester-Renten kl on 11. Februar 2010 at 19:11

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