Offener Brief: Germany’s Next Topmodel im Gesetzesdschungel

Für Outsider sei zunächst das Folgende erklärt – GNTM (Germanys Next Topmodel) ist laut Stupidedia-Definition eine Reality-TV-Sendung über ein Camp für schwer erziehbare Heulsusen. Moderiert wird die Sendung von der Ex-Corporal Heidi Klum sowie den Heulsusen Peyman Amin und Rolf Scheider, die den “Mädels” durch verschiedene “Challenges” Disziplin einzuhämmern versuchen. Meist erfolglos. Was den Po… äh Pro7-Machern riesige Umsätze beschert. Riesige Umsätze wiederum führen in Deutschland zu massiven Steuerproblemen. Deshalb habe ich mich zu einem offenen Brief an unsere Topmodels entschlossen.

Liebe Topmodels,

ich habe mich zu einem offenen Brief an Euch entschieden, weil ich glaube, dass Ihr viel größere Probleme habt als Heidis Beleidigungen zu ertragen.

Wisst Ihr zum Beispiel, was Germanys next Flop (‘tschuldigung) Topmodel mit Reiten zu tun hat? Da kommt Ihr nicht drauf. Es hat nämlich wirklich etwas mit Pferden zu tun. Und, kein Witz, mit dem deutschen Umsatzsteuerrecht! Jedenfalls nach Meinung des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz ist das so. Das hat (in einem anderen Fall) festgestellt, dass es bei einem Schönheitswettbewerb ähnlich ist, wie bei einem Pferderennen. Die Pferde werden im Hinblick auf die Chance eines Renngewinns abgestellt, woraus sich der für die Umsatzsteuer unabdingbare Leistungsaustausch ergibt (Urteil vom 19.7.1995, 1 K 1728/94).

Damit seid Ihr also Unternehmer! Wahrscheinlich erfolglose. Für die Umsatzsteuer ist das aber egal. Eure „Leistungen“ (sogenannte tauschähnliche Umsätze) sind umsatzsteuerbar (übrigens auch dann, wenn die Fotos scheiße aussehen). Welcher Eurer Umsätze aber tatsächlich in Deutschland versteuert wird, hängt davon ab, ob Eure Leistungen künstlerische sind (Ort ist dort, wo Ihr gerade rumturnt) oder ob sie der Werbung dienen (Ort ist dort, wo Pro7 hockt). Vorsicht, ab 1. Januar 2010 wird das alles anders. Wenn Ihr in Deutschland versteuern müsst, stellt sich die Frage, wie viel ihr versteuert und wie hoch die Steuer ist. Das wiederum hängt davon ab, wie viel Pro7 springen lässt (damit Ihr nicht noch dünner werdet) und ob Euer Körper ein Kunstwerk ist (dann 7% – kein Quatsch!). Alles klar jetzt, Mädels? Ok.

Wenn Ihr mit der Umsatzsteuer fertig seid, dann legt Euch schon mal ein paar Argumente für den Sozialversicherungs-Fuzzi zurecht. Der wird Euch nämlich erklären, dass Ihr scheinselbständig (also Nichtunternehmer) seid und Sozialversicherungsbeiträge abführen müsst. Kleiner Tipp: Den Hinweis, dass Ihr umsatzsteuerlich Unternehmer seid, könnt Ihr euch sparen. Der Typ wird es emotionslos zu Kenntnis nehmen und sodann Renten-, Kranken-, Pflege- und (welch Hohn) Arbeitslosenversicherungsbeiträge von Euch kassieren.

Jetzt werdet Ihr (völlig zu Recht) fragen, ob unser Gesetzgeber noch alle Tassen im Schrank hat? Hat er nicht. Aber was nutzt Euch die Gewissheit?

Wer nun noch nicht pleite ist, auf den wartet zum Schluss noch ein kleines steuerliches Bonbon: die deutsche ESt (Einkommensteuer)! Wenn da eine denkt, die muss sie nicht bezahlen, weil sie noch keine 18 ist, hat sie schon verloren. In Deutschland sind auch Babys einkommensteuerpflichtig! Bald sogar mit eigener (Gott sei Dank noch nicht eintätowierter) lebenslanger Nummer. Einzig Larissa, Eure Alm-Ziege … Zicke, meine ich, könnte um diese Steuer rumkommen. Aber aufpassen, Larissa, Du darfst dich nicht länger als 186 Tage in Deutschland aufhalten. Da Du jedoch (zu recht übrigens) ausgeschieden bist, ist die Gefahr wohl gering, dass Du in Deutschland noch mal einen Fuß auf den Laufsteg bekommst.

Die gute Nachricht für Euch ist, bei der Einkommensteuer könnt Ihr ein bisschen schummeln (verwechselt es aber bloß nicht mit der Umsatzsteuer, da versteht das Finanzamt keinen Spaß). Bei der Einkommensteuer gibt es sogenannte Nichtbeanstandungsgrenzen. Das sind Betriebsausgaben oder Werbungskosten, die so niedrig sind, dass das Finanzamt nicht motzt. Tragt also einfach mal pauschal Betriebsausgaben (die Ihr ja nicht wirklich habt) ein. Sagen wir so ungefähr in Höhe von 25% Eurer Einnahmen. Das könnte klappen.
Kleiner (kostenloser) Zusatztipp von mir: Vergesst nicht, Eure kleinen Ausflüge nach Miami, Angeles, Vegas und sonstige Dörfer – sogenannte Incentive-Reisen – in einen privaten und betrieblichen Anteil aufzuteilen und den betrieblichen unter Beachtung der direkt zurechenbaren Kosten abzuziehen. Das dürft Ihr, hat der BFH schon 2006 gesagt. Ach, und vergesst nicht die sogenannte Sachbezugsverordnung zu lesen. Die ist wichtig, um Eure Einnahmen korrekt zu erfassen. Wenn Ihr fertig seid, habt Ihr dann ein weiteres Eurer 1.000 Steuerprobleme gelöst.

Wenn Ihr dennoch nicht mehr weiter wisst, fragt jemand, der sich auskennt. Sonst kriegt Ihr den nächsten Heulkrampf, wenn Steinbrücks Schlapphüte auf der Matte stehen (à propos Matte: Beachtet bei Selbstanzeigen unbedingt die sogenannte „Mattentheorie“ – wenn die Typen auf dem Fußabtreter stehen, ist Schluss mit lustiger Strafbefreiung). Hier kommt es also nicht auf Grazie an, sondern auf Schnelligkeit. Wenn es trotzdem schief geht, könnt Ihr immer noch Herrn Zumwinkel anrufen. Der hat jetzt so viele einschlägige Erfahrung, dass er wahrscheinlich die Steuerberaterprüfung ohne Vorbereitungskurs bestehen würde.

Viel Spaß bei Euren Germanys nackt next Topmodel Shootings.

Euer Rodion

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3 Kommentare

  1. Ein Fan
    Geschrieben 9. Mai 2009 at 16:14 | Permalink

    Ein Beitrag zum schmunzeln. Treffend dargestellt. Sprachlich hervorragend.

  2. Oimel
    Geschrieben 10. Mai 2009 at 11:32 | Permalink

    Tja,
    dass da die Möglichkeit bestehen sollte, den Luxuskörper eines Models als Kunstwerk zu bezeichnen, ich weiß nicht so recht.
    übrigens, wer ist da der Künstler? Allenfalls die Eltern oder Gott, die Models doch selber wohl nicht, oder?

  3. Larissa von der Alm
    Geschrieben 10. Mai 2009 at 13:57 | Permalink

    Mein lieber Rodeon,

    danke, danke für Deinen lieben Brief. Ich hab ihn mir hintern Spiegel gesteckt, oben im Badezimmer, da wo ich immer hingehe nach dem Essen, Du weißt schon: man muss halt super schlank bleiben. Und wo ich mir auch immer, wenn ich ‘nen Geldschein dabei hab, äh – na ja, man hat halt sonst nix zu kichern als Topmodel. Ganz doll schade finde ich das mit den Steuern, kann mir die nicht jemand abnehmen? Ach nee, abnehmen muss ich ja selbst. Super ist der Tipp mit den Pferderennen, aber da kennst Du DIch ja aus, lieber Rodeon (hi hi), wie wärs es denn mal mit einem Leistungsaustausch, so ganz unter uns? Du machst mir die Steuer und ich mach das, was ich am besten kann.

    Doof ist, dass ich nicht mehr als 186 Tage zu Dir nach Deutschland kommen darf. Aber der Peer hat ja vorgeschlagen, dass wir beide auch flüchten können. Ich weiß zwar nicht, wo Burkina Faso ist, aber Peer sagt ja, das ist da wie in der Schweiz. Mein lieber Rodeon, dann lass uns doch gemeinsam auf der Alm von Burkina Faso reiten.

    Ich freu mich drauf,
    Deine Larissa von der Alm

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