Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung der Deutschen Bank im kommenden Jahr viel stärker schrumpfen als von der Bundesregierung und Wirtschaftsexperten bisher angenommen. Der Chefvolkswirt der Bank, Norbert Walter, in den Medien immer wieder gerne präsent, warnte jüngst in der “Bild”-Zeitung:
“Im nächsten Jahr könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt um bis zu vier Prozent schrumpfen. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt rund ein Drittel.”
Die Weltbank befürchtet als Folge der weltweiten Finanz- und Kreditmisere die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression vor 80 Jahren. Weltbank-Chefökonom Justin Lin sagte bei der Vorstellung seines Weltwirtschaftsausblicks 2009:
“Die Finanzkrise wird wahrscheinlich in der schwersten Rezession seit den 30er-Jahren münden.”
Was konnte man noch am 4. März 2008 in der Online-Ausgabe der FAZ über Norbert Walter und andere “Chefökonomen” lesen?
Auch die Analysten malten jüngst wieder ein deutlich positiveres Bild: „Einen starken Trend aufwärts“ macht Norbert Walter, Chefökonom der Deutschen Bank, im Dax für die kommenden Monate aus. Und er ist längst nicht der Einzige. Viele sehen den Leitindex Ende des Jahres schon wieder bei 8000 Punkten stehen. Damit hätte er die Verluste der Krise dann vollständig wettgemacht.
Warum soll ich den Chefökonomen eigentlich dieses Mal glauben? Vor 9 Monaten sahen sie den DAX bei 8000 (statt 4700) und heute reden sie die Rezession herbei.
Mein Bauch sagt mir, die wissen einfach nicht, wovon sie reden. Aber sie sind dabei leider viel zu laut.
3 Kommentare
Warum soll es den “Chefökonomen” anders gehen als den Hellsehern. Nach einem heutigen Bericht in der Tagespresse hatten die Hellseher weltweit im Kalenderjahr 2008 keinen Durchblick und es traf so gut wie keine Vorhersage zu. Von der aktuellen Finanzkrise hat gar keiner etwas vorhergesagt und wenn die Hellseher schon nicht mehr in die Zukunft sehen können wie sollen es dann die “sogenannten” Fachleute können.
Und die Sache hat einen steuerlichen Haken, der die Sache noch deutlich verschlimmert.
Müssen Banken und andere Finanzdienstleistungsunternehmen oder andere Unternehmen mit Firmenbesitz (Holdinggesellschaften) Beteiligungen an Tochtergesellschaften abschreiben, sind die Abschreibungen steuerlich in der Regel nicht abzugsfähig. Das Ergebnis kann sein, dass diese Unternehmen riesige Verluste ausweisen, gleichzeitig aber dennoch Steuern auf (nicht vorhandene) steuerliche Gewinne bezahlen müssen. Zwar gibt es jetzt für die Finanzwirtschaft gewisse Erleichterungen.
Letztendlich verschärft das deutsche Steuerrecht aber die Finanzkrise.
Dass Wirtschaftspresse und Wirtschaftsexperten bei Prognosen oft Kaffeesatz statt Expertise nutzten, ist offenkundig. Wenn aber dauch as Gedächtnis nicht weit reicht und vor der “größten Krise nach 1945″ gewarnt wird, hilft der Blick in die eigenen Archive: Das Handelsblatt schrieb 2003 , als der DAX nur knapp die Hälfte an Punkten hatte, unter dem Eindruck des Bibn Laden-Terrors: ” Der deutsche Aktienmarkt ist am Mittwoch wieder in seine altbekannte Richtung eingeschwenkt: Nach unten. Damit hat sich die leichte technische Erholung zu Handelsbeginn als kurzlebig erwiesen. Im Sog der Verluste bei den Versicherern und Bayer ging der Dax mit 2202,96 Punkten aus der Sitzung. Das war ein Minus von 4,4 Prozent oder gut 100 Punkten. Damit war der siebte Handelstag in Folge mit Verlusten zu Ende gegangen. Der MDax sank um 1,5 Prozent auf 2646,89 Zähler …”