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Interview zum sybo-Blog mit Peter Scheller, Vorstand der sybo AG

Herr Scheller, im November 2008 geht die sybo Aktiengesellschaft Steuerberatungsgesellschaft einen neuen Weg. Der Steuer-Blog startet. Welche Aufgaben erfüllt diese Online-Präsenz?

Unseres Wissens ist dies der erste Corporate Blog Deutschlands nur für Steuer-Themen. Mit diesem Blog will die sybo AG steuerliche Themen in verständlicher Form einer breiten Internet-Öffentlichkeit präsentieren. Neben der Information will die sybo AG auch einen Gedankenaustausch mit Menschen fördern, die nicht Steuerexperten sind. Steuern betreffen fast alle Menschen. Und Steuern sind politisch. Wir sind schon heute gespannt, wie die Betroffenen in ihren Kommentaren steuerpolitische Entscheidungen unserer Politiker beurteilen.

Ist ein Steuer-Blog überhaupt etwas für Steuerberater, die doch als eher konventionell gelten?

Steuerberater sind Menschen mit dem Bedürfnis, ihre ohne Frage seriöse und oft auch komplexe Arbeit so darzustellen, dass jeder sie verstehen kann. Und natürlich möchten sie auch das oft verzerrte Bild ihres Berufsstandes in der Öffentlichkeit gerade stellen. Ein Steuer-Blog bietet eine gute Möglichkeit, in der Kommunikation mit Menschen eine Entmystifizierung eines Lebensbereiches, der die Mehrheit der Weltbevölkerung betrifft, zu erreichen. Schon Benjamin Franklin erkannte die Bedeutung der Steuern, als er sagte, dass nur zwei Dinge im Leben sicher seien: Der Tod und die Steuern.

Welchen Nutzen haben die Leser des Steuer-Blogs?

Sie können sich über hochkomplexe Themen informieren, ohne Fachwissen zu benötigen oder ein Fachlexikon neben sich liegen haben zu müssen. Und Sie können ihre Meinung äußern und auch ihrem Unmut und Frust Ausdruck verleihen.

An wen richtet sich der Steuer-Blog?

Eigentlich an alle, die mit Steuern konfrontiert sind. Und trotz sinkender Einwohnerzahl nimmt die Zahl der Betroffenen zu. Unser Staat zwingt beispielsweise Rentner, die bis vor kurzem überhaupt keine steuerlichen Pflichten erfüllen mussten, Einkommensteuer-Erklärungen abzugeben. Und die Finanznot deutscher Finanzminister lässt hier auch in Zukunft nichts Gutes erwarten.

Der Steuer-Blog richtet sich aber auch an Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, die sich schnell und ohne große Recherche über aktuelle Entwicklungen des Steuerrechtes informieren wollen. Und auch Vertreter der Wirtschaftspresse oder anderer Medien können nach interessanten Steuerthemen Ausschau halten.

Wer bloggt, wie werden Niveau und Sachgerechtigkeit der Beiträge kontrolliert? Gibt es eine Redaktion?

Blogbeiträge werden durch die Steuerberater und anderen Steuerexperten der sybo AG eingestellt. Die sybo AG hat einen fachlichen Chefredakteur. Dieser wacht nicht nur über die fachliche Qualität der Beiträge. Auch dreißig Steuerberater und 150 Mitarbeiter der sybo AG haben sich der Qualität der Blog-Beiträge verpflichtet.

Kommentare werden hoch erwünscht sein. Die Redaktion der sybo wird aber alle Kommentare rassistischen oder extremistischen Inhalts unterbinden.

Welche Inhalte stellt die sybo AG ein?

Die sybo AG wird branchenspezifische Themen des Steuerrechtes einstellen. Der  aktuelle Branchenfokus liegt in der Logistik und im Bereich Medien - IT - Telekommunikation.

Natürlich werden auch aktuelle Themen aufgegriffen. So hat die momentane Krise der Finanzmärkte weitreichende Folgen auf die Steuersituation institutioneller oder privater Investoren.

Die Politik und Finanzgerichte werden den Steuer-Blog automatisch mit aktuellen Themen versorgen. Nichts ändert sich so schnell wie das Steuerrecht: Steuerreformen, Steueränderungsgesetze, Steuerreparaturgesetze, Erlasse, Richtlinien, Gerichtsentscheidungen. Dazu kommen Bücherwände von Kommentaren, Fachbüchern und Fachartikeln. Es wird kolportiert, dass 60% der steuerlichen Fachliteratur dieser Welt aus dem deutschsprachigen Raum stammt. Die sybo AG wird im Steuer-Blog versuchen, eine Schneise in diesen dichten Dschungel einer unüberschaubaren und chaotisch scheinenden Papierflut zu schlagen.

Ein Steuer-Blog ohne internationale Themen wäre unvollständig. Die globalisierte Welt wirkt tief in das Steuerrecht. Ein Beispiel ist die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes der letzten Jahre. Nichts fürchtet unser Finanzminister mehr als den Gerichtshof in Luxemburg. Dieser erklärt reihenweise deutsche Steuergesetze für europarechtswidrig. Die sybo AG wird im Steuer-Blog die positiven Aspekte dieser Entscheidungen für Unternehmen und Menschen darstellen.

Das heißt: Sie legen gerade hier in Hamburg ein besonders Augenmerk auf IT - Medien, oder die TIME-Branche generell?

In Hamburg bietet sich das geradezu an. Die steuerlichen Themen sind vielfältig. Diese betreffen nicht nur die Unternehmen der Branche. Auch feste und freie Mitarbeiter sind mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Dies wird besonders deutlich, wenn Mitarbeiter aus dem Ausland kommen und hier arbeiten.

Ein aktuelles Thema ist die Künstlersozialabgabe. Unternehmen werden schon abgabepflichtig, wenn sie in einem Jahr einen selbständigen Webdesigner, einen Graphiker und einen Künstler für die Weihnachtsfeier engagieren. Nun haben die Rentenkassen die Prüfung der Abgabenpflicht übernommen. Das heißt, dass Unternehmen bei zukünftigen Sozialversicherungsprüfungen mit erheblichen Nachforderungen konfrontiert werden. Dies scheint vielen Unternehmen der Branche überhaupt nicht bewusst zu sein.

Wie groß das wirtschaftliche Risiko ist, zeigt ein Urteil des Sozialgerichtes Stuttgart. Eine deutsche Künstleragentur hatte russische Balletttänzer für eine Vorstellung in Italien engagiert. Die Agentur musste hierfür Beiträge an die Künstlersozialkasse abführen. Dabei spielt es keine Rolle, dass der Auftritt gar nicht in Deutschland stattfand und die russischen Tänzer überhaupt keinen Versicherungsschutz aus der Künstlersozialkasse erhalten.

Wenn Sie in die Zukunft schauen: Wird der physische Steuerberater irgendwann durch einen digitalen ersetzt werden können? Der Steuerberater als Avatar?

In einer digitalen Welt scheint alles möglich. Allerdings muss ein Avatar nicht nur intelligente und sachgerechte Antworten geben. Der Hilfesuchende muss auch die richtigen Fragen stellen. Und genau hier liegt das Problem. Die Mehrzahl der Hilfesuchenden weiß gar nicht, welche Fragen er stellen soll. Vielen ist nicht bewusst, mit welchen steuerlichen Problemen sie überhaupt konfrontiert sind. Fast jedes Beratungsgespräch beginnt deshalb mit Fragen des Steuerberaters und nicht mit denen des Mandanten. Der Steuerberater muss herausfinden, welche Problembereiche und Beratungsfelder überhaupt relevant sind. Ein Avatar müsste also das Beratungsgespräch leiten, Fragen stellen und manchmal auch unangenehme Wahrheiten aussprechen. Kann ein Avatar das leisten?

Das eigentliche Problem liegt aber in der Psychologie des Menschen verborgen. Er sucht nicht nur den fachlichen Rat, sondern auch das Gefühl, dass sich jemand seiner Probleme annimmt und sein Anliegen versteht. Das Zauberwort ist dabei Vertrauen. Dieses Vertrauen einem virtuellen Berater gegenüber lässt sich eigentlich nur vorstellen, wenn dieser quasi menschliche Züge annimmt. In Science Fiction-Filmen gibt es solche künstliche Wesen mit menschlichen Zügen. Solange Maschinen nicht menschengleich sind, wird der virtuelle Berater wohl ein Wunschtraum Technologiebesessener bleiben.

Das Interview führte Dr. Hergen Riedel, PreCal Presse Contor im Alten Land

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